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  • Sonja Gatterwe

Wie viel Erde braucht der Mensch | Frank Schult

Ausstellungstext | Galerie Fabra Ars, Magdeburg | Mai 2022 | veröffentlicht auf der Website der Galerie


Frank Schults Kosmos erfordert Mut: Wir stürzen nicht in den Kaninchenbau, wir erkunden ihn mit einem Kopfsprung voraus.

ölgemälde
© Frank Schult, das Halsband der Taube, Öl auf Leinwand, 2022

Bilder sprechen Bände und Frank Schult ist der Erzähler. Wir erleben fantastische Welten und staunen über biblisch-märchenhaften Trubel: Wir tauchen ein in das sagenhafte Narrativ des Menschen. Seine Szenerien erinnern an Illustrationen von mythologischen Geschichten – nichts ist zu wild, zu absurd, zu viel. Sie sind massiv und impulsiv, sie beschönigen nichts: Wenn Schults Werke Märchen sind, dann sicherlich keine verkitschte Disney-Verfilmung. Wie in einem bittersüßen Andersen-Universum schimmern seine Fabeln melancholisch in altertümlichen, starken Farben: Da strahlt ein kräftiges Violett und ein altes Rot, ein mystisches Blau funkelt schüchtern im Hintergrund. Ihre Umgebung wirkt verrußt, vielleicht auch verwaschen.


Die Farbpalette des Künstlers vergegenwärtigt die Weimarer Republik: Ihre stille Leuchtkraft schwelgt umhüllt in einem vergrauten Schleier der Realität. Seine Werke sind vielschichtig und mehrdimensional: Wie bei einer Kulissenbühne erleben wir den illusorischen Eindruck unendlicher Tiefe. Doch hier blicken wir hinter die plakativen Fassaden und vernehmen die subtilen Zwischentöne dessen, was Kunst sein kann. Frank Schults Kosmos erfordert Mut: Wir stürzen nicht in den Kaninchenbau, wir erkunden ihn mit einem Kopfsprung voraus. Und je tiefer wir im freien Fall gelangen, desto deutlicher erkennen wir die abwechslungsreichen Facetten seiner imposanten Bildgeschichten. Schults Kunst ist unaufdringlich politisch: Man muss zwischen den Zeilen lesen, um die wunderlichen Dimensionen des Menschseins in ihrer Bedeutung zu erfassen.


Ölgemälde
© Frank Schult, EVA reklamiert den Apfel der Erkenntnis, Öl auf Leinwand, 2021

Die menschliche Geschichte wiederholt sich und Frank Schults Kunst ist aktueller denn je. Wir stoßen auf die Büchse der Pandora, auf Eva, die den Apfel der Erkenntnis für sich reklamiert. Wir stehen am „Tor der Träume“ und der Künstler fragt „Kann man die Zeit erzählen“ ohne ein Fragezeichen. Das Leben passiert viel, es passiert simultan und mehrdimensional – das Universum wartet nicht auf die langsame Wahrnehmung des Menschen. Doch halten wir in Schults schillernden Bilderwelten inne, erhaschen wir einen Blick auf den fabelhaft wunderlichen Kaninchenbau des Malers.



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