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  • Sonja Gatterwe

Widerspenstiges Blühen | Hans-Hendrik Grimmling

Ausstellungstext | Galerie Fabra Ars, Magdeburg | April 2023


Als Publikum dieser besonderen Fotosynthese verfolgen wir die Dynamik der lebendigen Strukturen des Künstlers und sehen den abstrakten Flechtwerken und Blättermustern beim Atmen zu.

Sieht man durch ein Mikroskop, wartet da ein fantastisches Paradox: das Panorama ist intim, die reale Distanz enorm. In seiner Kunst wird Hans-Hendrik Grimmling zum Okular und seine Perspektive ist eindrucksvoll nah und physisch fern zugleich. In der Ausstellung Widerspenstiges Blühen hat der Maler seine floralsten Werke versammelt. Doch bei seinen pflanzlich-impulsiven Arbeiten handelt es sich nicht um romantisch verkitschte Rosenblätter, bei Grimmling ist es der botanische Organismus, der im Vordergrund steht. Und auf ihn gewährt uns der Künstler einen rebellischen Blick: In einer distanzierten Detailaufnahme lässt er uns an der Intimität seiner vitalen Netzwerke teilhaben und entzieht sich zugleich einer eindeutigen Ausformulierung. Das widerspenstige Blühen seiner Geflechte aus Ranken und Knospen erzählt von der Aufforderung zur Provokation, zu einer Haltung, die sich politisch und künstlerisch wehrt.


Die hintergründige Metapher seiner widerstrebenden Natur spiegelt sich in den verschiedenen Formphasen und Zyklen: Seine organischen Muster erzählen mal von den kräftigen Strukturen eines Wurzelgeflechts, mal umfassen sie die fragile Beschaffenheit einer Blattfaser. Doch seine floralen Gebärden artikulieren auch Verletzlichkeit und Zerstörung, sprechen von der Hinderlichkeit, sich selbst im Weg zu stehen. Und davon, dass trotz der Füße, die uns am Boden verwurzeln, unser Leben aufstrebend wächst, nach oben, hin zum Licht. Als Publikum dieser besonderen Fotosynthese verfolgen wir die Dynamik der lebendigen Strukturen des Künstlers und sehen den abstrakten Flechtwerken und Blättermustern beim Atmen zu.


Mit der Kunst von Hans-Hendrik Grimmling blicken wir tief in unser vitalstes Inneres und stellen fest: unsere Zellen teilen sich, unser Wachstum blüht widerspenstig – die Muster der Unendlichkeit wuchern in uns.



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